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Mai 2009: Projekt "Beschütztes Wohnen" nun Realität

Mit dem neuen Wohnbereich für schwerst demente Pflegebedürftige wird die Versorgungskette des Heywinkel-Hauses für demenziell veränderte Mitmenschen geschlossen.

Zahlreiche Gäste konnten "Willkommen" geheißen werden ...

... und folgten während der Einweihungsfeierlichkeiten im Foyer den Ausführungen zum Bauprojekt sowie den Grußworten.

Gert Reimer, Hartmut Eggemann (Architekturbüro Eggemann), Dr. Christine Hawighorst, René Ramm (Architekturbüro Eggemann), Eckhard Kallert und Boris Pistorius (von links) freuen sich über die symbolische Schlüsselübergabe.

Frau Prof. Dr. Hotze

Während ihres homurvollen Streifzuges durch die Tücken des Pflege-Alltages unternahmen Torben Schmidt (Mitte) und seine Mitstreiter mit ...

... tatkräftiger Unterstützung durch die Bewohner unter anderem einen anschaulichen Exkurs in die "Lastenhandhabungs-Verordnung".

Gelungene Einweihungsfeier am Vormittag - viel beachtete Info-Veranstaltung am Nachmittag

Gut besucht war die offizielle Eröffnungsfeier des Projektes "Beschütztes Wohnen". Der Vorstandsvorsitzende der Julius-Heywinkel-Stiftung, Herr Gert Reimer, begrüßte die Staatssekretärin des Sozialministeriums des Landes Niedersachsen, Frau Dr. Hawighorst, den Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück, Herrn Pistorius, den stellvertretenden Superintendenten des Kirchenkreises Osnabrück, Herrn Meyer-ten-Thoren, sowie viele weitere Gäste. Während des ersten Teiles der Feier im Park des Hauses erläuterte Herr Reimer allen Anwesenden die bauliche Umsetzung des Projektes. Im Foyer stellte anschließend der Geschäftsführer der Heywinkel-Haus gGmbH, Herr Kallert, den Inhalt des Konzeptes vor. In ihren Grußworten gingen Frau Dr. Hawighorst, Herr Pistorius und Herr Meyer-ten-Thoren auf die Bedeutung für den betroffenen Personenkreis der schwerst dementen, pflegebedürftigen Mitmenschen ein und sagten Unterstützung bei der weiteren wissenschaftlichen Begleitung zu. Mit einem Imbiss klang die offizielle Feierstunde, die vom Posaunenchor der Marien Kirchengemeinde und einer Musikcombo des Konservatoriums begleitet wurde, aus.

Im Rahmen der Eröffnungs-Feierlichkeiten des Bereiches "Beschütztes Wohnen" - eine Alternative zur Pflegeoase - verfolgten ca. 100 Interessierte einen fachlich geprägten Informationsnachmittag. Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer Herrn Eckhard Kallert referierte Frau Prof. Dr. Hotze vom Fachbereich Pflegewissenschaften an der Hochschule Osnabrück über das "Phänomen Demenz". In für das Publikum sehr verständlicher Weise stellte sie die Herausforderungen für eine professionelle Pflege und Versorgung demenziell erkrankter Menschen dar. Die Demenz wurde von Frau Prof. Dr. Hotze aus sechs verschiedenen Perspektiven betrachtet. Neben der medizinischen und epidemiologischen Perspektive spielten in dem Vortrag gerade die Perspektiven der betroffenen und betreuenden Menschen eine große Rolle. Die institutionelle Sicht und die Perspektive der medialen Darstellungen rundeten das Bild ab.

Von fachlicher Seite ist laut Frau Prof. Dr. Hotze abschließend festzustellen, dass "die Demenz uns auch eine Chance der Reifung bietet, weil sie mit einer ungeheuren Radikalität den Finger auf die Wunden dieser Gesellschaft legt. Sie thematisiert die Fragen der Endlichkeit und der Abhängigkeit des Menschen von anderen Menschen".

Nach einer Kaffeepause stellte die Pflegedienstleitung des Heywinkel-Hauses,Frau Stukenborg, ihr vor ca. dreieinhalb Jahren entwickeltes Konzept des "Beschützten Wohnens" vor. Den Anstoß für entsprechende Ausgangsüberlegungen gab eine geplante Baumaßnahme zur Sanierung des Flachdaches. Trotz vorgegebenem Grundriss ließ sich hier ein Bereich für schwerst demente, bettlägerige Bewohner realisieren. Die neue Idee soll sich dem bisherigen Konzept des "dorfähnlichen Modells" angliedern, nämlich Möglichkeiten bieten, Alltagsbedürfnisse im Haus, entsprechend eigener Mobilität, selbstständig zu erfüllen, bzw. Angebote unterschiedlicher Lebensmöglichkeiten oder verschiedene Lebenswelten zuzulassen. Den zur gleichen Zeit aufkommenden Pflegeoasen - Pflege in Mehrbettzimmern - sollte eine Alternative geboten werden. Durch Tagesstrukturierung eine Normalisierung erreichen war das Ziel. "Es ist normal, dass Menschen am Tage sich an einem anderen Ort aufhalten als in der Nacht. Auch Menschen, die sich überwiegend im Bett aufhalten, haben einen Anspruch auf soziale Teilhabe", so Frau Stukenborg.
Mittels der großzügigen räumlichen Ausstattung soll eine Ressourcenförderung stattfinden. Durch verschiedene natürliche und technische Gegebenheiten kann der Bewohner Tages- und Jahreszeit möglichst erspüren. Bei Erschöpfung oder zur Pflege gibt es Rückzugsmöglichkeiten ins eigene Einzelzimmer.
Beim pflegerischen Konzept im Zusammenwirken mit Sonderausstattungen wie einem Wohlfühlbad sollen Bewegungs- und Wahrnehmungseinschränkungen vermindert werden. Das körperliche Wohlergehen wird durch ein spezielles Ernährungskonzept gefördert. Sinnesanregungen und auch die seelsorgerliche Betreuung haben einen besonderen Stellenwert. Abschließend bemerkte Frau Stukenborg, dass das Konzept noch viele Alltagstücken in der praktischen Umsetzung beinhaltet. Deshalb gibt es für die Umsetzung, nach ersten Erfahrungen, noch viel zu tun.

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war der Abschluss. Mitarbeiter des Heywinkel-Hauses stellten unter der Regie des Altenpflegers Torben Schmidt pflegerische Probleme einmal anders dar. Humoristisch untersuchte er dabei moderne Ausstattungselemente des "Beschützten Wohnens", wie Betten, Lagerungskissen etc., aber er wies auch auf bestimmte Bestimmungen hin, wie die "Lastenhandhabungsverordnung", die sich u.a. mit dem Menschen in Liftern befasst. Die Darbietung wurde mit großem Applaus bedacht.

So ist der Info-Nachmittag, trotz des schweren Themas Demenz, mit einer großen Zufriedenheit für die Zuhörer beendet worden. Abschließend bleibt festzuhalten, dass die vor dreieinhalb Jahren im Heywinkel-Haus entstandene Vision zu einem Konzept umgesetzt wurde. Ein ähnliches Konzept ist unter der These "qualitätsgeleitete Pflegeoase verzichtet auf Mehrbettzimmer" erst am 20.04.(!) 2009 vom Kuratorium Deutscher Altershilfe ins Internet gestellt worden.

Frau Stukenborgs PowerpointPräsentation zum Info-Nachmittag sowie das umfassende Konzept des "Beschützten Wohnens"finden Sie unter "Downloads" an Position fünf und sechs. [mehr...] 

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